TAUCHSPORT: Nitrox Tauchen - Eine Modeerscheinung birgt Gefahren. TAUCHEN

Nitrox Tauchen - Eine Modeerscheinung birgt Gefahren.


Kolbermoor, Deutschland (15.11.2006) - Hochgelobt durch die Presse und in Tauchkreisen kommt das Tauchen mit Nitrox mehr und mehr in Mode. Befürworter argumentieren mit sicheren und längeren Tauchgängen, mit einer reduzierten Stickstoffaufnahme oder mit mehr Energie beim Tauchen. Stimmen diese Aussagen und sind sich Nitrox-Taucher der Gefahren bewußt?

Nitrox ist ein künstliches Atemgasgemisch das aus den Bestandteilen der Luft besteht. Im Gegensatz zur Atemluft werden bei Nitrox die Anteile der Einzelgase verschoben. Besteht Luft aus circa 78% Stickstoff, 21% Sauerstoff und ungefähr 1% Edelgase (Argon) und Kohlenstoffoxid, so wird bei Nitrox der Stickstoffanteil verringert. Im Gegenzug steigt der Sauerstoffanteil. Stickstoff ist für den menschlichen Körper ein unnützes Gas. Es wird beim Stoffwechsel des Körpers nicht verarbeitet und lagert sich beim Tauchen in den einzelnen Geweben ein. Dies ist die Ursache vieler Gefahren die beim Tauchen alltäglich sind. Die Verringerung des Stickstoffanteils in dem Atemgas soll diese Gefahren verringern.

Als Atemgas beim Tauchen wurde Nitrox von der "National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)" entwickelt. Es soll helfen Zeit und Kosten bei der Durchführung von wissenschaftlichen Projekten zu senken. Der Name Nitrox ist allgemeingültig und umfaßt alle Gemische die aus den Bestandteilen der Luft bestehen. In der Regel werden 32%ige oder 36%ige Gasgemische getaucht. Die Prozentangabe bezieht sich auf den Anteil von Sauerstoff im Atemgasgemisch. Nitrox erlaubt längere Grundzeiten beim Tauchen. Aber es brigt auch Gefahren da der Sauerstoff ab einem Partialdruck von 1,3 bis 1,6 bar toxisch (giftig) wird. Zusätzlich wird diese Gefahr durch falsche Behauptungen verstärkt.

Es existiert das Gerücht, dass Nitrox die Stickstoffvergiftung (Tiefenrausch) verhindert. Dass stimmt so nicht ganz, denn für den Nitroxtaucher stellt sich das Problem der Stickstoffvergiftung meist nicht, da er die Tauchtiefe, bei der eine Stickstoffvergiftung auftreten kann nicht erreicht. Durch den höheren Sauerstoffanteil im Nitrox-Atemgas verringert sich die Tauchtiefe. Ein Taucher mit Nitrox im Tank setzt sich eher der Gefahr einer Sauerstoffvergiftung als der einer Stickstoffvergiftung aus.

Weiter wird behauptet, das man beim Nitroxtauchen einen geringeren Luftverbrauch hätte. Begründet wird dies durch den erhöhten Sauerstoffanteil. Dies ist falsch. Der menschliche Körper nimmt nur eine geringe Menge Sauerstoff pro Atemzyklus auf. Der unverbrauchte Sauerstoff wird ausgeatmet und geht dem Taucher verloren.

Eine Studie aus den USA räumt auch mit dem Argument auf, dass man nach dem Nitrox Tauchgang weniger ermüdet. In dieser Studie wurde einer Hälfte der Taucher Nitrox in unmarkierten Flaschen gegeben. Die andere Gruppe tauchte mit normaler Atemluft. Keiner der beiden Gruppen fühlte sich nach dem Tauchgang müder als die andere.

Die gefährlichste Behauptung von allen ist jedoch, dass mit Nitrox tiefer getaucht werden kann. Vermutlich wurden diese Aussagen inspiriert von der Tatsache, dass Tec-Diver nach tiefen Tauchgängen mit TriMix oft Nitrox für deren Decompressionsstops verwenden. Es verhält sich jedoch genau andersherum. Tauchen mit Nitrox verringert die maximale Tauchtiefe. Im Gegenzug verlängert sich die Grundzeit des Tauchers.

Die Grundzeit ist somit die einzige positive Konstante. Durch den niedrigeren Stickstoffanteil lagert sich dieser weniger schnell im menschlichen Gewebe ab. Die Zeit, die man in der Tiefe verbringen kann verlängert sich. Aber auch hierbei darf man sich nicht auf der sicheren Seite wähnen. Wie Dr. E.D. Thalmann (DAN Assistant Medical Director) berichtet kann auch bei geringem Sauerstoffpartialdruck eine toxische Wirkung auftreten, wenn die Einatemzeit lang genug ist. Daher ist es ungemein wichtig, die Faustregel für Nitrox zu beherzigen. Wenn der Partialdruck von Sauerstoff größer wird, wird die Zeit die man sich dem Gas aussetzt kleiner.

Heutige Rechenmodelle von Tauchcomputer sind immer ausgereifter und erlauben uns die Grundzeit immer weiter an die Grenzen des menschlich möglichen zu verschieben. Wir bewegen uns beim Tauchen immer häufiger am Rande des Abgrundes. Oft bedarf es eines kleinen unscheinbaren Ereignisses um aus einem sicheren Tauchgang einen Tauchunfall zu machen. Stellen wir uns einen Tauchgang vor an dessem Ende unter uns ein Delfin auftaucht. Wer ist da nicht geneigt ein erneutes Abtauchen in Betracht zu ziehen.

Jeder Sporttaucher sollte für sich die Vor- und Nachteile des Tauchens mit Nitrox abwägen.
















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