Plünderungen beim Tauchen.

Denkmalpflege Unterwasser

Plünderungen beim Tauchen.


München (21.03.2007) - Immer häufiger erreichen uns und Meldungen von Tauchern, die Plünderungen an Unterwasserdenkmälern und -gräbern begehen. Letzte Woche wurden vier Taucher von einem Gericht in Marseille zur Zahlung einer Strafe in Höhe von 1500,00 EUR verurteilt.

Die in Marseille verurteilten Taucher hatten 20 Weinkaraffen aus dem Wrack eines römischen Transportschiffes, welches vor Marseille in einer Tiefe von 57 Metern liegt entwendet.

Nach den Angaben von Archäologen war das römische Schiff von der Westküste Italiens nach Frankreich unterwegs. Die Ladung bestand aus 1000 Karaffen mit Wein. Nach aktuellen Zählungen sind nur noch 200 Karaffen vorhanden. Dies lässt den Schluss zu, dass die vier Verurteilten Taucher nicht als einzige Plünderungen begangen hatten.

Vom Großteil der Tauchgemeinde verpönt und durch deutsches und internationales Recht verboten bringen einige Taucher immer wieder Gegenstände von Wracktauchgängen mit an die Oberfläche. Im Schutze der Anonymität, die bei solchen Tauchgängen herrscht sinkt die Hemmschwelle eine Straftat zu begehen bei einigen Tauchern auf Null.

In einem deutschen Internet-Forum kann folgende Aussage nachgelesen werden. „...Ich nehme mir das Recht mitzunehmen was ich hochbringen kann– mein persönliches Tabu sind menschliche Überreste!". In einem anderem Forum war die Aussage zu finden "... Wenn ich es nicht mitnehme, dann wird der nächste Taucher es mitnehmen...".

Laut Dr. Thimm Weski vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sind dies alarmierende Aussagen. "Die Wracks in der Nord- und Ostesee, sowie in den Binnengewässern unterliegen dem Denkmalschutz. Als solches macht sich jeder strafbar, der von diesen Orten Gegenstände mitnimmt." Weiter fügt Dr. Weski hinzu. "Die Aussage '...wenn ich es nicht mitnehme, dann tut es ein anderer...' entspricht dem Drogendealer Prinzip und ist als solches nicht zu tolerieren“.

Bei dem Drogendealerprinzip wird die Tätigkeit des Verkaufs von Drogen damit begründet, dass ein Nachbar ebenfalls gedealt hat, folglich muss es legal sein.
„Die UNESCO hat im Jahre 2001 eine umfangreiche Konvention zum Schutz von Denkmälern unter Wasser erarbeitet. Leider hat Deutschland, wie auch viele andere Staaten dieser Konvention nicht zugestimmt“, beklagt Dr. Weski

Dr. Weski warnt davor Artefakte aus Wrack zu entfernen. „Ein jeder der dies tut macht sich strafbar. In vielen Ländern können diese Strafen drakonisch ausfallen. So in Griechenland und in der Türkei“.

Viele Wracks liegen außerhalb nationaler Gewässer und fallen somit unter kein nationales Recht. Aber auch bei diesen Wracks kann man sich strafbar machen. Die Eigentumsverhältnisse können auch nach Jahrhunderten noch von Gerichten berücksichtigt werden. Kriegsschiffe gehören auch nach Jahrhunderten immer noch Ihren Ursprungsländern.

Im Jahre 2004 wurde die spanische Galeone „San José“ mit Ihrer 4 Milliarden Euro teuren Ladung von einem Gericht in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá als „Kulturerbe der Nation“ erklärt. Damit zerplatzten die Träume einer amerikanischen Bergungsfirma.

Selbst vor dem Plündern von Kriegsschiffen wird nicht halt gemacht. Durch eine Gesetzeslücke in der englischen Rechtssprechung können Plünderer ungestraft Teile von Kriegsschiffen abschrauben und im Internet veräußern. Eine aktuelle Debatte erregt die Gemüter der Hinterbliebenen und der Überlebenden der Sir Galahad. Das Kriegsschiff wurde während des Falklandkrieges versenkt. Hunderte von Seeleuten kamen ums Leben.

Immer mehr Tauchunternehmen bieten Tauchgänge zu solchen Kriegsschiffen an. Mr. Weston diente als Gardist auf der Sir Galahad, sagte: "Die gesunkenen Kriegsschiffe müssen mit dem Respekt eines Kriegsgrabes behandelt werden. Das Plündern von Kriegsschiffen ist falsch. Es ist Grabräuberei. Keine von uns würde gleiches auf einem Friedhof tun. Unterwasser scheinen die Hemmungen geringer zu sein."
















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