William Trubridge - Zweifacher Weltmeister im Apneotauchen über das Tauchen

Vertical Blue auf den Bahamas

William Trubridge - Zweifacher Weltmeister im Apneotauchen über das Tauchen






















Long Island, Bahamas (04.05.2008) - Am 10.04.2008 stellte der Neuseeländer William Trubridge seinen zweiten Weltrekord während der Vertical Blue - Meisterschaft der Freitaucher auf den Bahamas ein. Der siebenundzwanzig jährige Trubridge, von Hawke's Bay auf Neuseeland, sank auf 108 Meter beim "Free Immersion" Tauchgang. Bei dieser Art des Tieftauchens, darf der Athlet keine Flossen oder ähnliche Hilfsmittel verwenden. Zum Erreichen der Tiefe darf der Taucher sich nur an einem Seil in die Tiefe ziehen. Auch zu Auftauchen sind keine weiteren Hilfsmittel erlaubt. Kurz vorher stellte William Trubridge den Weltrekord in der Königsdisziplin, der Constant Weight without fins Disziplin ein. Der neuer Rekord in dieser Klasse beträgt nun 86 Meter. William hat einige seiner Eindrücke zusammengetragen.

"Jeder Freitaucher kennt den Moment, wenn er Morgens aufwacht und bereits zu diesem Zeitpunkt weis, dass jede noch so geringe Kleinigkeit schief gehen wird. Alles was passiert schein dich aus der Bahn zu bringen, zu frustrieren und läst dich Wahnsinnig werden. Egal ob es deine Stimmung ist oder ob viele kleine negative Ereignisse passieren, die einen Schatten auf die bevorstehenden Ereignisse werfen, die Reaktion ist immer das gleiche. Der erschreckende und träge Faulpelz in uns taucht aus seiner schalldichten Ecke des Gehirnes auf und nörgeln und nagen an unseren Entscheidungen.



Dies ist mir an dem Tag passiert, an dem ich den Weltrekordversuch von 86 Meter durchführen wollte. Ich begann den Tag mit einer schlechten Stimmung und es schien so, als ob alles an diesem Tag mich in dieser Stimmung belassen sollte. Zuerst hatte ich jemanden zu suchen, der einen ausgefallenen Sicherungstaucher ersetzt. Danach war ich zeitweise ohne Transportmittel, welches mich zum Veranstaltungsort, dem Blue Hole, bringen konnte. Mein eigener Truck wurde kurzzeitig als Rettungswagen verwendet. Als ich endlich wieder Luft hatte, bemerkte ich einen Riss am Bein meines Tauchanzugs. Kurzerhand leite ich mir ein Messer aus und schnitt einen Teil vom Beinkleid ab.

Aber die negativen Ereignisse rissen nicht ab. Noch bei der Entspannungsphase vor meinen Tauchgang überhörte ich die Ansage des Zeitwächters, dass nur noch eine Minute bis zum Start übrig ist. Als ich dann Abtauchte schluckte ich ein Teil der eingeatmeten Luft. Dadurch startete ich den Tauchgang mit einem überhöhten Kohledioxidgehalt im Blut.

All diese negativen Voraussetzungen sind mehr als ein Grund aufzugeben und den Tauchgang zu beenden. Es sind die besten Voraussetzungen den inneren Schweinehund die Oberhand gewinnen zu lassen.

William Trubridge bei einem ÜbungstauchgangWilliam Trubridge bei einem Übungstauchgang
An diesem Punkt macht sich das lange Training und das große Wissen eines Apnoetauchers bemerkbar. Man muss es schaffen sein Bewusstsein abzuschalten und ausschließlich automatisch zu reagieren. Man muss Vertrauen in das unbewusste Handeln und die schnellen Entscheidungen haben, die man sich jahrelang eingeübt hat. Wenn man es nicht schafft sein rationales und analytisches Denken auszuschalten, dann wird man es auch nicht schaffen den nervenden inneren Schweinehund zu bezwingen. Er wird dich den ganzen Tauchgang verfolgen und solange nerven bis Du den Tauchgang abbrichst oder bis Du zu viel Sauerstoff über dein Zweifeln verbraucht hast.

Als Apnoetaucher muss man zwischen den trivialen Ereignissen, wie das Brennen des Salzwassers auf einer kleinen Wunde, und den Ereignissen, die einen Tauchgang gefährden unterscheiden können. Ein steifes Genick vor dem Tauchgang wäre ein Ereignis, welches zur Aufgabe eines Tauchganges führt.

Als ich mich auf dem Weg hinunter auf 86 Meter befand merkte ich wie die negative Stimmung von mir weggeschwemmt wurde und wie ich mein Selbstvertrauen wiederfand. Zwar habe ich vor dem Abtauchen ein wenig zuviel Luft eingeatmet, dennoch wusste ich von den letzen Untersuchungen, dass mein Blutdruck sehr gut war und ich fähig war, diesen Tauchgang zu schaffen.

Als ich am Ende der Leine auf 86 Meter angekommen war konzentrierte ich mich nur noch darauf meine Schwimmbewegungen zu zählen, die ich zu Auftauchen benötigte. Für diese Tiefe benötigte ich 29 Bewegungen.

Negative Gedanken wie „Ich werde es nicht schaffen“ und auch positive Gedanken wie „Wenn ich es geschafft habe, dann werde ich den neuen Weltrekord haben!“ versuchten sich in meinem Gehirn Platz zu schaffen. Zur Abwehr dieser Gedanken hilft nur ein Trick. Diese Gedanken müssen dich bereits bevor sie aufkommen langweilen.

Aber all diese Überlegungen hatten zum Zeitpunkt meines Abstieges keine Bedeutung mehr. Der Ausgang des Tauchganges wurde schon viel früher entschieden. Ich habe mich noch nie so gefreut über die Erreichung eines Weltrekords wie bei diesem Tauchgang. Allein die Überwindung des inneren Scheinehundes war eine grenzenlose Genugtuung.

Der am nächsten Tag stattfindende Free Immersion (FIM) Versuch auf 108 Meter lief ähnlich ab. Ein Athlet wurde kurz vor meinem Tauchgang bewusstlos und beschwor damit eine ebenfalls negative Stimmung herauf. Ich sagte mir, dass sich dieser Tauchgang nur um den Druckausgleich drehen würde. Wenn ich es schaffe mich auf der Plattform zu entspannen, so würde ich einer Stickstoffnarkose, die auch uns Apneotaucher betreffen kann, entgegenzuwirken.

William Trubridge nach dem 108 Meter WeltrekordWilliam Trubridge nach dem 108 Meter Weltrekord
Als die Abstiegsphase meines Tauchganges begann, war ich so entspannt dass ich in der Tiefe von 108 Meter immer noch eine mundvoll Luft übrig. Beim Umdrehen an der Plattform, um den Aufstieg zu beginnen, ließ ich instinktiv Luft aus meinen Backen entweichen. Es waren ungefähr 75ml Luft, was in dieser Tiefe 10 Prozent meines Lungenvolumens entspricht. Dieser Fehler machte diesen Tauchgang schwerer als den früheren Versuch auf 107 Meter vorzudringen.

Wenn man es schafft die anfänglichen Probleme hinter sich zu lassen und in einen passiven Zustand zurückfindet, dann hat man die Möglichkeit einen perfekten Tauchgang zu absolvieren. Jeder Apnoetaucher, der es schafft seinen eigenen inneren Schweinehund zu überwinden, wird mit seinem Selbstvertrauen wachsen und die für ihn zu erreichende Tiefe wird größer werden.

Als Apnoetaucher muss man lernen mit der Angst umgehen zu können. Je öfter man dies schafft, desto tiefer wird man vordringen können, den Selbstvertrauen erwächst aus der Überwindung des innern Schweinehundes.“



William Trubridge www.verticalblue.net













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