PADI und VDST zu den Tauchunfällen am Starnberger See

Meinungen

PADI und VDST zu den Tauchunfällen am Starnberger See



PADI und VDSTfoto: Jürgen Oberguggenberger (pixelio)
Hettlingen, Schweiz (14.07.2007) - Am letzten Sonntag im Juni ereignete sich am Starnberger See in der Gemeinde Berg ein tragischer Tauchunfall. Ein 38 jähriger Familienvater verunglückte bei seiner Tauchausbildung tödlich. Auf Grund der spärlichen Informationen über den Hergang des Unglücks ergeben sich viele Fragen über die Notwendigkeit Tauchausbildungen an derart anspruchsvollen Tauchplätzen durchzuführen. Hier die Meinungen von PADI und vom VDST.

Dieser Todesfall im Starnberger See war bereits der zweite in diesem Jahr. Laut Polizeiangaben handelte es sich bei dem verunglückten Taucher um einen Tauchschüler, der bereits beim Abtauchen mit seinem Tauchlehrer in Schwierigkeiten geraten war. Die Rettungsversuche der beiden Begleiter waren nicht erfolgreich.


Nähere Umstände, die zu diesem Tauchunfall mit tödlichem Ausgang geführt haben wurden nicht bekannt. Zur Zeit werden die Umstände von der Staatsanwaltschaft in München bearbeitet. Ob gegen den Tauchlehrer ein Verfahren eingeleitet wird ist ebenfalls nicht bekannt.

Bei dem Tauchplatz bei Berg in der Gemeinde Allmannshausen handelt es sich um eine Steilwand, welche ab einer Wassertiefe von 20 Metern beginnt. Die Wand ist an vielen Stellen überhängend und führt bis auf eine Tiefe von über 60 Metern hinab.

Oft ist die Sicht über der Steilwand, wegen der Schwebeteilchen meist unter 20 cm. Wenig Licht dring bis zur Wand vor, so dass dort meist mit Tauchlampen getaucht werden muß.

Dieser Tauchplatz scheint für Tauchausbildungen eher ungeeignet. Bei Fehlern und bei Problemen mit der Ausrüstung gibt es meist keinen Halt mehr. Verliert man zudem die Wand aus den Augen befindet man sich schnell im Freiwasser ohne jede Orientierung.

PADI und VDSTPascal Dietrich (PADI)
Auf die Frage, ob dieser Tauchplatz für Tauchausbildungen geeignet ist antwortete Pascal Dietrich, Manager Training & Instructor Development bei PADI Europa:

„Grundsätzlich verlangen PADI Standards von PADI Instruktoren, dass sie an Tauchplätzen unterrichten, welche es erlauben die Leistungsanforderungen zu erfüllen und repräsentativ sind für die lokalen Tauchgewässer, in welchen die Taucher sich auch nachher bewegen werden.

Es gibt keine ausdrückliche Richtlinie, welche gewissen Tauchplätze verbieten. Allerdings ist die Wahl einfacher Schulungsplätze genauso verkehrt, wie sich Gefahren auszusetzen. Tieftauchen ist oft tauchen an einer Steilwand. Ich würde diese Art des Tauchens nicht kategorisch als schlecht bezeichnen.

Ist dem Tauchlehrer bekannt, dass der Taucher nach der Ausbildung an diesen Tauchplätzen tauchen wird, dann spricht etwas dafür den Schüler im Rahmen des Kurses darauf vorzubereiten, anstatt ihn nach der Ausbildung dort unvorbereitet tauchen zu sehen.

Schlussendlich kann diese Entscheidung über den Tauchplatz nur ein Instructor "vor Ort" treffen.“

Theo Konken, VDST Ausbildungsleiter und CMAS-G Ausbildungsleiter ist nicht der Überzeugung, dass der Tauchplatz am Starnberger See für Anfänger geeignet ist. „Die Richtlinien des VDST gestatten es ist nicht Ausbildungen mit Anfängern an einer Steilwand wie dieser vorzunehmen. Ein Tauchausbilder, der diese Art von praktischer Schulung durchführt handelt in nicht im Sinne des VDST. Er ist verantwortungslos. Der VDST hat für Anfänger ganz klare Tiefengrenzen und eine Zusammenstellung der Tauchgruppen. Wer mit wem tauchen darf ist klar geregelt.“

Obwohl noch nicht bekannt ist, wie es zu dem tragischen Unfall gekommen ist. Drängt sich die Frage auf, ob der Fehler an der Ausrüstung zu suchen ist. Tauchschüler haben oft Leihequipment. So können unterschiedliche Tauchwesten unterschiedlich bedient werden, was bei wechselnden Ausrüstungen zu Irritationen bei der Bedienung führen kann.

Sowohl PADI als auch der VDST weisen darauf hin, dass dieser Umstand ausführlich in der Ausbildung zum Tauchlehrer/Instructor dargestellt wird. „Ja, dies wird sogar in der Ausbildungsphase geübt.“ Sagte Theo Konken vom VDST. „Die VDST Ausbildung durchläuft mehrer Phasen erst die höchste Qualifikation (drei Stern) dann Übungsleiter oder Assistenztauchlehrer danach den Tauchlehrer Einstern usw. Während dieser Ausbildung weißen wir den TL auf alle Gefahren hin und trainieren diese auch.“




„Sämtliche Unterrichtsmaterialien sowie auch die Vortragsrichtlinien für den Instruktor beinhalten mehrfache Hinweise zu den Vorteilen eigener Ausrüstung“. Ergänzt Pascal Dietrich von PADI Europe. „Ein wesentlicher Vorteil ist sicherlich Passform und Vertrautheit mit der Ausrüstung. Allerdings wäre es verfehlt zu sagen, dass Leihausrüstung generell mit mehr Gefahren verbunden ist“.

Abschließend haben sich sowohl PADI als auch der VDST dagegen ausgesprochen eine zusätzliche Warnung an Ihre Tauchausbilder herauszugeben, welche vor der Ausbildung an schweren und potentiell gefährlichen Tauchplätzen warnt.

Beide Verbände teilen die Überzeugung, dass jeder Tauchlehrer während seiner eigenen Ausbildung lernt, auf was es bei der Wahl eines Tauchplatzes ankommt, und wie er die Ausbildung seiner Schüler gestalten wird.

Ausbilder vom VDST und von PADI haben weltweit einen guten Ruf. Beide Verbände haben es sich zum Ziel gemacht weiterhin die Sicherheit und auch den Spaß bei Tauchen zu erhöhen.
















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