Starke Strömung, ein Hai und vier Stunden Todesangst

Beim Speerfischen in Golf von Mexiko abgetrieben

Starke Strömung, ein Hai und vier Stunden Todesangst

John Anders (rechts) und Darryl Couvillion (links)John Anders (rechts) und Darryl Couvillion (links) halten einen 30 Kilogramm schweren Zitronenfisch. Aufgenommen ungefähr 30 Meilen von der Küste von Grans Isle entfernt. Kurz nachdem dieses Foto geschossen wurde verschwand Anders bei einem weiteren Tauchgang und wurde erst nach vier Stunden gerettet. (foto: John Anders)

Von Ramon Antonio Vargas

New Orleans, Vereinigte Staaten (21.05.2008) - Der Amerikaner John Anders trieb mehrer Stunden Mitten im Golf von Mexiko als er bemerkte das er schon seit geraumer Zeit von einem Hai umkreist wurde. Der Berufstaucher hatte den Halt an einem Ölförderplattform verloren, als er sich mit einem harpunierten Fisch abmühte. Dabei trieb er von der Ölplattform ins offene Meer hinaus, wo er Stunden um sein Leben bangte.

Am frühen Donnerstag, den 15.05.2008 mieteten Anders und zwei seiner Freunde einen Katamaran und fuhren über 30 Meilen von Küste von Grand Isle ins offene Meer hinaus. Das Ziel der Freunde war eine Ölplattform. Dort wollten Sie Hochseefische mit der Harpune fangen. Was als ordinäres Fischfangunternehmung begann wurde für John Anders zu einem Höllentrip.

Anders ist ein erfahrener Berufstaucher und geht schon seit mehreren Jahren mit seinen Freunden Darryl Couvillion von Belle Chasse und dem Katamarankapitän William Wall von Baton Rouge zum Speefischen. An diesen dritten Ausflug zur Ölplattform harpunierte Anders einen recht großen Zackenbarsch.

Er begann den Aufstieg um den Fisch an Deck des Katamarans in eine mit Eis gefüllte Kiste zu legen. Dabei hatte der den Fisch unter seinen rechten Arm geklemmt. Da der Fisch sehr groß war, war der Aufstieg recht anstrengend. Auf ungefähr 4 Meter unter der Wasseroberfläche blieb er für einen Dekompressionsstop stehen, um so den im Körper angereicherten Stickstoff wieder abzuatmen.



Anders griff nach einem Stahlseil, welches von der Ölplattform hing, damit er seine Position zu stabilisieren konnte. Aber der Zackenbarsch war noch nicht tot und fing an wie wild um sich zu schlagen. Da Anders den Fisch immer noch mit der Harpune festhielt, wurde es immer schwerer den Fisch mit einer Hand zu kontrollieren.

Nun machte der Taucher einen dummen Fehler. Anstatt seinen Fang aufzugeben lies der Taucher aus New Orleans das Stahlseil los und versuchet den Zackenbarsch unter Kontrolle zu bringen.

„Das war ein großer Fehler“ sagte Anders in einem Interview. Die starke Strömung trieb ihn von der Ölplattform weg. Innerhalb kürzester Zeit war er über 100 Meter von der Plattform abgetrieben worden.

Anders ist sehr wohl vertraut mit der trickreichen, starken Strömung im Golf von Mexiko – er schwimmt seit er vier Jahre alt war – aber je mehr er versuchte gegen die Wellen anzukämpfen, desto weiter wurde er von der Plattform abgetrieben.

Aus Verzweiflung rief er seine Kameraden Couvillion und Wall zu Hilfe, aber der Wind verschluckte seine Hilfeschreie. Schnell sah er ein, dass es keinen Sinn hatte gegen die Strömung anzukämpfen. Auch wollte er nicht stundenlang Wassertreten, während er auf Rettung hoffte.

Bohrinsel Bohrinsel (foto: pixelio.de)
In der Ferne sah er eine weitere Ölplattform, ungefähr 12 Kilometer entfernt. In seiner Verzweiflung entschied er, zu dieser Plattform zu schwimmen. Um so wenig Energie zu verbrauchen wie nötig, begann er mit rhythmischen Bewegungen zu schwimmen. Immer darauf bedacht, keinen Krämpfe zu bekommen. Er hoffte Nahe genug an die Plattform heranzukommen um nach Hilfe rufen zu können.

Die beiden zurückgebliebenen Freunde machten sich nun große Sorgen. Anders war nun schon 45 Minuten länger im Wasser als Couvillion und Wall. Couvillion geriet in Panik und malte sich aus, dass sein Freund sich in der Tiefe in irgendetwas verheddert hat. Die beiden Freunde riefen die Küstenwache, dann zog Couvillion seine Tauchausrüstung wieder an und sprang ins Wasser. Er suchte sehr lange nach einem Zeichen von seinem Freund, musste aber schließlich wegen Sauerstoffmangel den Tauchgang abbrechen.

Als Couvillion wieder an Bord des Katamaran gestiegen war, rief er sofort seine Frau an. „John ist nun seit über einer Stunde verschwunden“, erzählte er völlig außer sich. „Ein Helikopter der Küstenwache sucht nach ihm, aber es gibt kein einziges Lebenszeichen von John.“

Couvillions Frau bat ihn für eine Minute ein Gebet zu sprechen. Er kniete nieder, das Telefon immer noch an sein Ohr gepress, während seine Frau ein Gebet für John Anders sprach. „Hab vertrauen“, sagte Sie noch, bevor sie auflegte.

„Aber ich hatte das Vertrauen aufgegeben.“ sagte Couvillion später. „Ich dachte er wäre tot. Wie sollte ich nur seiner Frau Stephannie beibringen, dass ihr Ehemann nicht mehr zurückkommen wird.“

Währendessen bemerkte Anders, dass er von einem einzelnen Hai umkreist wurde. Vermutlich wurde diese von dem Blut des harpunierten Zackenbarsches angezogen. Neugierig betrachtete Anders den Hai, bis ihm die Gefahr bewusst wurde in der er schwebte. Ohne zu Zögern machte er den Fisch von der Harpune los und verfütterte diesen an den Hai. Diese bliebe danach noch für über eine Stunde bei John, griff den Taucher jedoch nicht an.

Fünfzehn Minuten nachdem Couvillion mit seinen Frau telefoniert hatte, meldete das Funkgerät auf dem Katamaran, dass John gefunden wurde. „Mann über Bord“ war aus dem Lautsprecher zu vernehmen.

Der Ruf war von dem Rettungsschiff Deep Seas Discoverer. Die Helikopterbesatzung hatte den Taucher entdeckt und die Position an das Rettungsschiff weiter gegeben. Die Besatzung des Schiffes ließ sofort ein Beiboot zu Wasser und nahm den Taucher auf.

Couvillion hatte wieder Hoffung geschöpft und rief per Funk der Besatzung des Helikopters zu. „Trägt der Typ einen schwarzen Tauchanzug und eine pinke Tauchflasche? Und lebt er?“ Nach anfänglichem schweigen und nach einer weiteren Nachfrage bei der Helikopterbesatzung kam endlich die erhoffte Erlösung. „Ja, er trägt einen schwarzen Tauchanzug mit einer pinken Tauchflasche auf dem Rücken. Und ja, er ist am Leben.“

Die beiden Freunde auf dem Katamaran machten sich sofort auf um mit dem Rettungsschiff zusammenzutreffen und um Ihren über vier Stunden vermissten Freund wieder in die Arme zu schließen.

Wie von der Küstenwache später zu erfahren war, schwamm Anders in den vier Stunden auf See über 11 Meilen. „Sein Nassanzug gab ihm einen gewissen Schutz, dennoch war sein Körper bereits bedrohlich ausgekühlt“. Sagte Lt. Russ Hall von der Küstenwache.
Bereits man nächsten Tag wurde John Anders aus dem Krankenhaus entlassen und grillte mit seiner, im fünften Monat schwangeren Frau einen der Fische, die John noch vor seinem Unfall gefangen hatte.



von Ramon Antonio Vargas, The Times Picayune www.nola.com













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