Ypsigon - Das Alien im Plankton

100 Jahre altes Mysterium konnte gelöst werden.

Ypsigon - Das Alien im Plankton


Copenhagen,, Dänemark (18.05.2008) - Einem neuen Bericht des englischen BioMed Central’s Forschungsmagazins, BMC Biology, haben vier Forscher aus Dänemark und aus Japan ein über 100 Jahre altes Rätsel lösen können. Bereits im Jahre 1899 wurde eine y-Larve im Plankton entdeckt und als größtes zoologisches Mysterium bezeichnet. Trotz der hohen Plethora (Vermehrung) der Parasiten konnte bis heute niemand eine ausgewachsene y-Larve in den Krustentieren finden. Die Forscher Henrik Glenner, Jens T Høeg, Mark J Grygier und Yoshihisa Fujita konnten nun die Verwandlung der y-Larve im Plankton zu einer bisher ungesehenen, nicht krustentierartigen, parasitären Form dokumentieren.

Bei der y-Larve handelt es sich um einen Parasiten im zoologischem Plankton. Die Larve wurde vor über 100 Jahren das erste Mal entdeckt, und konnten bis heute im Plankton aller Ozeane, ob in der Arktis oder in den warmen tropischen Gewässern, nachgewiesen werden. Die Mannigfaltigkeit der unterschiedlichen Arten dieser y-Larve lässt darauf schließen, dass dieser Parasit schon sehr lange existiert. Die vier Forscher konnten während ihrer Untersuchungen bis zu 40 verschiedene Arten zählen.


Über ein Jahrhundert rätselten die Forscher um die Bedeutung dieser y-Larven. Man vermutet, dass Sie eine enorme Rolle im ökologischem Gleichgewicht der Meere spielen. Trotz dieser Bedeutung konnten die Biologen eine ausgewachsenen y-Organismus noch nicht identifizieren. Somit existieren keine biologischen Erkenntnisse über diese Art.

Die Wissenschaftler schafften durch die Gabe des 20-HE Hormons, das die Häutung bei Krustentieren einleitet, die Metamorphose der y-Larve im Plankton erfolgreich und wiederholbar zu erreichen. Der ausgewachsene y-Organismus ähnelt einer Nacktschnecke ohne erkennbarer Extremitäten und weist auch sonst keine Merkmale von Gliederfüßlern (Arthropoda) auf.

Aus der Verbreitung und der Reichung dieser Facetotectan y-Larven in allen Ozeanen der Welt, lässt die Forscher vermuten, dass diese Verbreitung des Parasiten eine enorm wichtige Rolle im ökologischem Gleichgewicht der Meere spielt.

Hintergrund

Die y-Larve in Krustentieren (Unterklasse Facetotecta) wurden im späten 19. Jahrhundert das erste Mal beschrieben (s. 1,2). Seither wurden wurden diese Larven in allen Ozeanen von der Arktis bis in allen tropischen Gewässern entdeckt. (s.3,4). Der ausgewachsene y-Organismus konnten in den letzten 100 Jahren jedoch nie entdeckt werden, so dass die Facetotecta eine Krustentierart mit einer formalen Taxonomie blieb, die im Larvenstadium aufhörte (s. 5/6).

Durch die Studien auf Sesoko Island, in der Nähe von Okinava auf Japan (s. 7) und die Recherchen in einer Vielzahl von Forschungsberichten konnten wir bis zu 40 verschiedene Arten der y-Larve identifizieren und ontogenetisch (Individualentwicklung eines Lebewesens), metamorph (Verwandlung) und auf der molekularen Ebene diese Larven in Zusammenhang mit der Taxometrie der Krustentiere der Klasse Thecostraca bringen..

Krustentiere der Thecostracan Klasse haben festsitzende Eltern und beinhalten die Entwicklung von Naupliuslarven (Primärlarven, Eilarven der Krebstiere) und die Entwicklung in das Cyprid Stadium, einer Metamorphose über fünf bis sechs Schritten zum ausgewachsenen Tier (s. 10). Die Etnwicklung der y-Larven (Facetotecta) ist ähnlich und umfasst eine Serie von fünf Naupius Erscheinungsformen und einem Endstadium, dem y-Cyprid. Dieser ist offensichtlich so angepasst, das er der Ansiedlung in einem neuen Wirtskörper zugutekommt (s. 5,11). Innerhalb der verwandten Gruppe der Ascothoracida findet man Parasiten der Anthozoa und der Echinoderms, während die Cirripdeia und die Rhizocephala als die meist spezialisierte Gruppe der Parasiten bei Krustentieren anzusehen ist. Diese Erkenntnisse ließen den Schluss zu, das die Facetotecta ebenfalls ein Parasit ist (s. 10)

Ergebnis der Untersuchungen

Häutung des ypsigons - Trennung von der Hülle des PlanktonsA) Häutung - Das ypsigon verläßt den Panzer des Wirtskörpers. B) Ypsigon nach dem Verlassen. Degenerierten Augen sind deutlich zu erkennen. C) Ansicht von oben
Die Beigabe von 20-HE in einer effektiven Konsentration (104-208 μM), einem Hormon, dass die Häutung von Krustentieren bewirkt, konnte die Metamorphose der y-Larven zu einer unerwarteten neuen Erscheinungsform eingeleitet werden. Die 300 – 400 μM langen Jungtiere haben eine sehr vereinfachte Morphologie und werden durch eine extrem dünne (< 5 μM) Oberhaut geschützt. Wir konnten diese Metamorphose bei vielen unterschiedlichen Arten dieses Parasiten beobachten und dokumentieren.

12 bis 24 Stunden nach der Beigabe des 20-HE Hormons beginnt die Metamorphose damit, dass sich der Körper des Planktons innerhalb der äußeren Schale zusammenzieht. Ein kompakter Vorkörper entsteht, welcher daraufhin durch eine sich neu gebildete Oberhaut geschützt wird.

Noch innerhalb der Schale des Wirtskörpers beginnt der junge Körper des y-Cyprid mit Kontraktionen und krümmenden Bewegungen. Durch diese Bewegungen unterstützt befreit sich der neue Körper von der Hülle des Wirtskörpers. Dieser Prozess beginnt zwischen 31 bis 72 Stunden nach der Verwandlung und dauert bis zu 4 Stunden. Der neue Körper verlässt die alte Hülle über die Öffnung unterhalb der Fühler des Planktons.

Die neu entstandene Lebensform wurde als Ypsigon benannt, was sich von dem griechischen Buchstaben Ypsilon und dem griechischen Wort für Larve gonos ableitet. Das Ypsigon ist unsegmentiert, schneckenähnlich und hat keine Gliedmaße. Dennoch bleibt die neue Lebensart nach dem Verlassen der alten Hülle in Bewegung und entfernt sich innerhalb von Minuten mehrere Körperlängen vom Wirtskörper.

Die Umwandlung des Plankton durch den Parasiten in eine komplett neue Lebensform ist damit abgeschlossen. Vor allem die Muskeln und die Augen des Wirtskörpers befinden sich nach der Metamorphose in einem extrem degeneriertem Zustand. Der sehr dünne Panzer und die entarteten Augen sind die einzigen morphologischen Zeichen der Zugehörigkeit zu den Anthropoden.


1. Hensen V: Über die Bestimmung des Planktons oder des im Meere treibenden Materials an Pflanzen und Thieren. Bericht der Kommision zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere 1887, 5:1-108, Pl. 1-6.

2. Hansen HJ: Die Cladoceren und Cirripedian der Plankton-expedition. Ergeb Plankton-Expedit Humboldt-Stift 1899, 2(G,d):1-58.

3. Grygier MJ: Classe des Thécostracés (Thecostraca Gruvel, 1905). Sous-Classe des Facetotecta (Facetotecta Grygier, 1985). In: Traité de Zoologie. Volume 7, Part 2. Crustacés, Généralités (suite) et Systématique (1re partie). Edited by Forest J. Paris, Masson; 1996:425-432.

4. Høeg JT, Kolbasov GA: Facetotectan larvae from the White Sea with the description of a new species (Crustacea: Thecostraca). Sarsia 2003, 88:1-15.

5. Høeg JT, Kolbasov GA: Lattice organs in y-cyprids of the Facetotecta and their significance in the phylogeny of the Crustacea Thecostraca. Acta Zool 2002, 83:67-79.

6. Belmonte G: Y-Nauplii (Crustacea, Thecostraca, Facetotecta) from coastal waters of the Salento Peninsula (south eastern Italy, Mediterranean Sea) with descriptions of four new species. Mar Biol Res 2005, 1:254-266.

7. Grygier MJ: Facetotecta (‘Y-larvae’): One day's catch in Okinawa, Japan (Crustacea: Facetotecta). Mem Queensl Mus 1991, 31:335.

8. Grygier MJ: New records, external and internal anatomy, and systematic position of Hansen’s Y-larvae (Crustacea, Maxillopoda, Facetotecta). Sarsia 1987, 72:261-278.

9. Perez-Losada M, Høeg JT, Kolbasov GA, Crandall KA: Reanalysis of the relationships among the Cirripedia and the Ascothoracida and the phylogenetic position of the Facetotecta (Maxillopoda: Thecostraca) using 18S rDNA sequences. J Crustacean Biol 2002, 22:661-669.

10. Brusca CB, Brusca GJ: Invertebrates. 2nd edition. Sunderland, MA: Sinauer Associates; 2003.

11. Itô T: Naupliar development of Hansenocaris furcifera Itô (Crustacea: Maxillopoda: Facetotecta) from Tanabe Bay, Japan. Publ Seto Mar Biol Lab 1990, 34:201-224.

12. Grygier MJ, Høeg JT: Ascothoracida (Ascothoracids). In Marine Parasites. Edited by Rohde K. Wallingford: CABI Publishing/Collingwood, VIC: CSIRO Publishing; 2005:149-154.














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